Dr. Leopold Liebenthal (26.5.1868 - 30.11.1938)
Wohnhaft: Altwismarstraße 10

Leopold Liebenthal wurde als Sohn des Kaufmanns Louis (Ludwig) Liebenthal
und dessen Frau Emma Liebenthal (geb. Leopold) am 26.Mai 1868 in Bergen/Rügen geboren. Seine Schullaufbahn begann an der Stadtschule in Bergen. 1882 absolvierte er die Obertertia (9.Klasse) am Realgymnasium Stralsund und erlangte im Jahre 1887 dort sein Reifezeugnis (Abitur).

Im selben Jahr studierte er an der philosophischen Fakultät in der Königlichen Friedrich-Wilhelms Universität Berlin. Im folgenden Jahr legte er die Gymnasiale Ergänzungsreifeprüfung als Externer am Königlichen Domgymnasium zu Kolberg(Kolobrzeg) und wechselte dann in die Medizinischen Fakultät. Nun begann Liebenthals medizinische Laufbahn. Er absolvierte 1890 die ärztliche Vorprüfung und 1894 die Medizinische Staatsprüfung in Berlin und promovierte mit seinem Werk "Über das Weber-sche Syndrom".

Am 25.Oktober 1894 kam Leopold Liebenthal als praktizierender Arzt nach Wismar. Er zog zunächst in die Wohnung Hinter dem Rathaus 5 i und eröffnete seine Praxis in der Altwismarstraße 21 (heute: Altwismarstraße 10), in die er später auch einzog. Schon jetzt war er Mitglied im Ärztlichen Bezirksverein. Am 10.8.1898 ließ er sich in St. Marien taufen. Leopold Liebenthal lernte Marie Spohr (geb. 12. April 1875 Mühlheim/Rhein) kennen und heiratete sie 1899 und schon im Jahre 1902 schenkte sie ihm seinen ersten Sohn Emil Liebenthal. Das zweite Kind, Helmut Liebenthal, kam 1907 zur Welt.

Leopold Liebenthal war wegen seiner beispielhaften, unermüdlichen und selbstlosen Hilfe vor allem in der armen Bevölkerung hoch geschätzt. Sein soziales Engagement ging so weit, dass er zum Teil Behandlungen nicht in Rechnung stellte oder sogar Medikamente, die zur Behandlung benötigt wurden, aus eigener Tasche finanzierte. Trotz seiner großen Beliebtheit galt er selbst eher als unauffällig und bescheiden.

Nachdem die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland an die Macht kamen, wurde seine Praxis geschlossen und es wurde ihm verboten, weiterhin seine Patienten zu behandeln. Liebenthal litt sehr unter der Isolierung und dem psychischen Terror, blieb aber dennoch weitgehend von Verfolgung und anderen Repressalien durch die Nationalsozialisten verschont. Am 29. November 1938 folgte eine "Sicherungsverordnung zur Vermögenssicherung von Juden". Das Eigentum von Liebenthal wurde enteignet wegen Verdachts auf Auswanderung.

Am nächsten Tag, den 30. November 1938 starb Leopold Liebenthal an Herzversagen im Alter von 70 Jahren. Sein Trauerzug wurde wegen Drucks der NS nur von 2 Personen begleitet, jedoch ehrten viele Liebenthal, indem sie an den Straßen oder auf dem Friedhof zu der Zeit "zu tun" hatten. Sein Sohn Emil starb am 30.11.1940 als Elektro-Ingenieur. Sein Sohn Helmut Liebenthal, zieht als Buchhalter und Statistiker nach Doberan, später nach Warnemünde. Er starb im Jahre 1964 und hinterließ 2 Kinder, die heute noch leben.

Liebenthal zu Ehren wurde eine Gedenktafel in der Altwismarstraße 10 angebracht,
hier befand sich seine Wohnung und seine Praxis, die jedoch beim vorletzten Luftangriff auf Wismar am 11. August 1944 zerstört wurde. Außerdem gibt es eine Straße zwischen Vogelsang und Turnerweg, die ihm geweiht ist - die Dr.-Liebenthal-Straße. Er liegt heute mit seiner Frau auf dem Westfriedhof an der Schweriner Straße begraben.